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Frühlingsgeschichten

ab dem 4. März 2025

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Wohnungsbesichtigung

Ein Sperling hat sich vor dem Einflugloch auf die Stange gesetzt, steckt das Köpfchen immer wieder in das Vogelhaus hinein, dreht sich dann um und zwitschert lauthals in die Gegend. Ich höre seine Kumpels. Oder seine Auserwählte?

Die Zeit der Wohnungsbesichtigungen hat begonnen, festes Ritual der Balz. Ich synchronisiere mal: Hey, tolles Haus hier, guck mal! Vollholz, stabiles Dach. Jetzt KUCK doch mal. Der Spatz hüpft zum nächsten Haus. Oder das hier? Hiiier bin ich, haaaaallo!

Seine Angebetete hat gerade keine Lust. Oder verwechsle ich die Geschlechter? Vielleicht möchte ja ER noch nicht häuslich werden.

Wikipedia weiß es mal wieder besser. Aber ganz falsch liege ich doch nicht! Die Sperlingsbalz beginnt damit, dass das Männchen den zukünftigen Brutplatz besetzt. Also heute. Wenn er der Dame des Sperlingsherzens gefällt - eine geschützte Lage spielt da eine große Rolle, aber auch der werbende Spatzenmann findet Beachtung - fliegen beide in das Nest oder das Vogelhäuschen ein, um sich die Räumlichkeiten mal genauer anzusehen.

Es ist ein wirklich gutes Vogelhäuschen mit dicken Wänden und Teerpappe auf dem Dach. Der niederländische Nachbar aus der anderen Haushälfte hat es gebaut, mit viel Sachkenntnis, denn er ist Schreiner. In Rente. Deshalb hat er Zeit für Vogelhäuschen. Ich habe es zur Abendsonne hin unter das Terrassendach gehängt. Wenn das kein guter Witterungsschutz ist! Trotzdem hat die Spätzin abgelehnt. Es muss an ihm gelegen haben.

Irgendwie sah es auch so aus, als passte er gar nicht so recht durch das Loch. Nur bis zu den Schultern steckte er drin, was die Brut natürlich wesentlich erschweren würde. Hat sich aber auch ganz schön aufgeplustert, der Kleine.

 

Im Vorgarten kann ich jetzt den ersten Blümchen beim Wachsen zuschauen. Dafür habe ich einen der Loungesessel aus seiner Winterruhe geholt. Die Schneeglöckchen blühen ja schon seit Wochen und meine Wäsche trocknet in der fliederfarbenen Krokuswiese, die von Bienen summt und im warmen Wind lustig zittert. Eine Hummel kommt herangebrummt, möchte auch mal naschen, landet und macht einen Purzelbaum, weil sie für den zarten Blütenkelch etwas zu moppelig ist. Sphinx Josh hat sich mit hineindrapiert.

Ganz frisch dabei, gerade erst aufgeblüht, sind die ersten Frühlingsnabelnüsschen, strahlend blau, Gedenkemein werden sie auch genannt. Dazwischen sprießen Akeleien. Ich freue mich jedes Jahr, wenn die charakteristischen Blätter stark und schön wie Astrid Lindgrens Puppe Mirabell aus dem Boden herauswachsen.

Über allem der schwache Ruf des kleinen Eulenvogels, Athene noctua. Welch großer Name für solch eine kleine Eule. Aber Weisheit, für die die griechische Göttin Athene ja steht, ist eben keine Sache von körperlicher Größe. Müde klingt das Käuzchen und müde muss es ja auch sein, kommt gar nicht mehr zur Ruhe. Wo es wohl wohnt? Ich würde es so gern einmal sehen.

4. März 2025

Erschöpfungs-Sudoku 
mit Rote Bete-Schnitzeln

In meinem Tischkalender sind für heute Haare waschen und Einkaufen als die beiden Aktionen des Tages notiert. Zu Beginn eines jeden Monats kann ich bis zu elf solcher Aktionen auf jedem Wochenblatt verteilen. Dreimal Kochen, zweimal Haarewaschen, einmal Duschen, einmal Einkaufen, einmal Wäschewaschen, zwei Joker für Artbesuche oder Treffen mit Freunden und ein Kirchgang. Kommt etwas Unvorhergesehenes dazu, beispielsweise der Besuch des Hufschmieds oder ein Flohalarm, fällt etwas anderes aus. Zwei Tage sind durchgeixt: der Mittwoch und der Samstag, meine Ruhetage. Die Baseline, die Versorgung der Tiere und mein Frühstück, läuft durch, soweit reicht die Kraft. Fürs Putzen fehlt sie meist.

Stelle ich fest, dass die Rechnung nicht aufgeht, muss ich schieben, streichen, tauschen. Heute habe ich Haare waschen gegen Duschen getauscht, was unverhältnismäßig mehr Kraft zieht. Danach will ich unbedingt noch was Richtiges zu Mittag kochen, obwohl ich kaum noch stehen kann. Aber gerade, wenn man schon so schlapp und müde ist, braucht man doch etwas Nahrhaftes zu essen! Mal sehen, was noch so im Vorrat herumlümmelt... Hm, Rote Bete, Eier, Paniermehl, Dingelspaghetti,- super, das werden Rote-Bete-Schnitzel im Spaghettibett!

Auf der Stehhilfe hängend, schneide ich von der tiefdunkelroten Rübe einen halben Zentimeter knackig dünne Scheiben ab. Dabei rinnt mir der pinke Saft zwischen den Fingern hindurch. Dann erst schäle ich sie, tunke sie in das verquirlte Ei und wende sie im Paniermehl, das mit Bertram, Galgant und Kurkuma gewürzt ist. Im langsam erhitzten Rapsöl backen die Knusperscheiben goldbraun aus. Bevor ich etwas Salz und frisch gemahlenen schwarzen Pfeffer darüber streue, lösche ich sie mit drei Esslöffeln Weißweinessig pro Pfannenladung ab. Das nimmt den Rübenschnitzeln die erdige Note.

Ans Spaghettinest drapiert, Petersilie drübergerieselt, ein Glas Weißwein dazu. Was willst du mehr? Eher weniger. Ob ich den Einkauf verschieben kann? Nein, kann ich nicht, sonst fehlen mir morgen Mandeln und Rosinen fürs Frühstück. Aber vorher brauche ich eine lange Nachmittagspause und nicke schon ganz bald erschöpft, satt und zufrieden ein. Und danach bastle ich am nächsten Erschöpfungs-Sudoku, schiebe, tausche und streiche.

 

6. März 2025

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Kurz und schmerzlos

Das darf doch wohl nicht wahr sein! Endlich hat man seine Sommerliebe von sich selbst und diesem unglaublich schönen Häuschen in allerbester Lage überzeugen können. Gut, sie wollte noch ein paar andere Objekte besichtigen. Doch dann sind sie zurückgekehrt. Siehst du? Qualität setzt sich immer durch.

Und dann... - Es ist nicht zu fassen! - ... passt der Spatzenmann nicht durch das Einflugloch hindurch. So einfach gibt er sich aber nicht geschlagen, quetscht sich so weit hinein, wie es nur irgend möglich ist, bis zum runden Bäuchlein, strampelt mit den Beinen in der Luft herum, der Schwanz zappelt aufgeregt auf und nieder. Nochmal raus und neuen Anlauf nehmen, schieben, wackeln. Es ist wirklich nichts zu machen. 

Das Nachbarhaus ist nicht so stabil, kleiner, ohne Freisitz mit Stange. Aber er passt hinein. Nun gut, besser als ein Nest in der Hecke, das beim nächsten Frühlingssturm den Elementen ausgesetzt ist. Und er kann das Dach seines Lieblingshäuschens darunter sogar als Terrasse benutzen. Vielleicht ist es gar nicht so schlecht.

Jetzt muss SIE noch überzeugt werden. Sie ist nämlich schon wieder davongeflogen. Er ruft, pfeift und zwitschert, muss ihr wohl hinterher. Er hat Spatzi nicht im Griff.

Dabei sind die Vogelhäuschen gefragt. Ein Blaumeisenpärchen war schon da und hat sich das Haus der Spatzenträume angeschaut.

Das Rotkehlchen auf dem Zaun rund um die Terrasse schaut alldem interessiert zu. Ob es auch die etwas peinliche Zappel-Szene beobachtet hat? Hat es. Und ich ja auch, von meinem schönen Plätzchen im Tagesbett aus.

Zur Hunderunde fahre ich mittags eine lange Zufahrt ins Feld an, in der ich Lotta und Josh herumstrolchen lassen kann, während ich mitten auf dem sonnenwarmen Weg sitze. Die Beine tun so weh.

Wenn Weidenrinde Rosalie und Lotte bei Beinweh hilft, dann vielleicht auch mir? Am Eselstall wurde gerade erst die Böschung am Bach geschnitten. Haufenweise Hasel- und Weidenzweige liegen dort herum, von denen ich mir einen großen Strauß Kätzchen für die Vase schneide. Die Stücke, um die ich die Zweige zu Hause einkürze, sind ab sofort mein Weidenrindenvorrat, von dem ich mir für eine Teekanne voll zwei Stück mit einer stabilen Messerklinge entrinde. Einen Tee mit einem Esslöffel voll aufgegossen und...? Abwarten beim Teetrinken.

Als ich drei Stunden später zur nächsten Hunderunde aufbreche, den Fußweg im Feriendorf bergauf nehme, habe ich KEINE Schmerzen! Ganz seltsam fühlt es sich an, denn die Müdigkeit in den Beinen ist immer noch da. Sie ohne das Ziehen und Kribbeln zu spüren ist ungewohnt. Ich wusste nicht, dass die Symptome auch getrennt voneinander funktionieren.

 

7. März 2025

Frühlingsgefühle

Dieser Spatz gibt einfach nicht auf. Während meiner Vormittagspause kommt er schon wieder angeflogen, hämmert und pickt mit seinem stabilen Schnabel rund um das Einflugloch feste auf das Holz. Während seine Frau bereits im Spatzenhaus zweiter Wahl aufräumt - die Vormieter haben Unrat hinterlassen - will ihr Mann mit dem Dickkopf durch die Wand. Wenn das mal keine Kopfschmerzen gibt!

Viel Zeit, ihm zuzuschauen, bleibt mir heute nicht.

Mein Tischkalender weiß, dass ich heute Haare wasche und die Esel Gäste erwarten. Die erwachsenen Töchter haben ihrem Vater zum Geburtstag einen Eselspaziergang geschenkt.

 

Ein Eselmensch, das stellt sich schon bei der Begrüßung heraus. Dass Lotte nicht an der Stirn gekrault werden möchte, sieht er an der Stellung ihrer Ohren. Sie fühlt sich unwohl, die Berührung des Gesichtes ist eine intime Geste, wie beim Menschen auch. Vielleicht am Ende des Spaziergangs, tröste ich ihn.

Erst einmal werden jetzt Bürsten verteilt und als ich seinen Töchtern noch erkläre, dass das Fell in Wuchsrichtung gebürstet wird, kniet Papa mit der weichsten aller Bürsten vor Lotte, streicht ihr zärtlich über die Wangen, während das bockige Eselchen sich lammfromm mit halb geschlossenen Augen an den Papa kuschelt.

Wer heute Lotte führt, ist schonmal klar. Eine Tochter auf der anderen Seite, spaziert das Lotteteam heute ohne jeden Ausreißer davon. Rosalie bekommen die Schwester und ihre Freundin und Rosalie ist eben Rosalie, geht dahin und wartet nur ab und zu, dass Lotte wieder aufschließt. Mehr will sie gar nicht, als dass Lotte nah bei ihr ist. Ja gut, sie wäre auch gerne Mama, da bin ich mir ganz sicher. Aber das geht leider nicht. Sie hatte, bevor sie zu mir kam, eine Totgeburt. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich das wiederholt, ist groß. Manchmal klappt es einfach nicht mit dem Kinderkriegen. Inzwischen wurde eine Autoimmunerkrankung bei ihr festgestellt, die möglicherweise dafür verantwortlich ist.

Deshalb ist und bleibt eben ihre kleine Schwester ihr Baby. Irgendwo muss die Mutterliebe hin.

Als ich am Ende des Dorfspaziergangs an diesem herrlich warmen Frühlingstag die glückliche Familie frage, was sie von ihrer Zeit mit den Eseln mitnimmt, sagt der Papa Die Esel. Und die Mama träumt von einem Häuschen im Dalheimer Feriendorf, durch das wir gewandert sind.

 

8. März 2025

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Premiumplätze

Die beiden Spatzenmieter haben jeder ein rituelles Zweiglein ins Haus gebracht. Was den Spatzenmann angeht, nicht ohne nochmal um das Einflugloch der Traumimmobilie herumzuhacken. Wenn ich das richtig gesehen habe, hat er sein Zweiglein sogar DORT hineingeworfen. Dann sind beide verschwunden. Scheinbar ist das so wie mit dem Handtuch auf der Liege am Pool: Besetzt! Und wenn man das schöne Haus schon nicht selbst bewohnen kann, dann bitte auch keine Blaumeisen, denen man es neiden würde.

 

Auf meiner Wochenkalenderseite ist heute schon der erste Joker der Woche eingetragen, - ein weiterer Eselspaziergang mit einer jungen Familie. 

Die fünfjährige Tochter liebt Esel. Sie weiß gar nicht so genau, warum. Vielleicht, weil sie so lieb aussehen? Ja, das könnte sein, nickt sie! Sieht man ja auch schon an dem Kuscheltier mit den warmen braunen Augen, das als erstes auf Rosalies Rücken reiten darf. Es hat sogar ein Schulterkreuz genau wie die echten Esel!

Ganz zart berührt das Kind jetzt das dichte Winterkleid von Lotte, bevor wir ins Dorf aufbrechen. Mit ihr an der Seite kann die Kleine gar nicht sprechen, weil sie ganz tief drinnen so unsagbar viel fühlen muss. Einen riesigen, lebendigen Esel am Strick zu führen, der ganz dicht neben einem herläuft.... Was soll man denn da noch sagen?

Außer vielleicht, dass Mama den kleinen Bruder bitte gut festhalten soll, weil er den Platz des Plüschesels eingenommen hat und jetzt vor uns auf Rosalie sitzt, geführt von dem ältesten der drei Geschwister. Und das machen sie alle wirklich richtig gut, das Führen, Reiten und das Glücklichsein.

Der zweijährige Strahlemann sitzt da oben auf meiner Schönen, als hätte ihm nur dieses hier in seinem bisherigen Leben noch gefehlt, abgesehen natürlich von Papa, der bisher der Packesel war, von Mama und den Geschwistern.

Nur wenn die Strecke bergab geht und es den beiden Stuten nach dem langen Winter ganz arg nach einem ausgelassenen Galopp den Berg hinunter gelüstet, lasse ich die Mama ihn vorsichtshalber herunterheben. Dann verschwindet für einen Moment das Lächeln aus dem jungen Gesicht und er knipst es erst wieder an, als er wieder auf seiner Eselin sitzt, die Bewegung ihrer Muskeln spürt, sich umschaut nach der großen Schwester, die mit Esel Lotte ganz nah bei ihm ist.

Von da oben sieht die Welt noch schöner aus, denke ich.

10. März 2025

Hausbesetzer

Familie Spatz habe ich heute noch nicht gesehen. Hat Nachbars Katze Tatsachen geschaffen?

Dafür schauen die Blaumeisen wieder vorbei. ER nickt solange ins Haus hinein, bis die Freundin neugierig wird. Schwubbs ist er drin, sie hinterher. Und nur einer kommt wieder heraus. Habe ich mich verguckt?

Heute ist ein Ruhetag für mich, also habe ich viel Zeit. Ein Buch, die Lesebrille, der Sudokublock fürs Gedächtnistraining und ein Stift sind auf dem Tagesbett um mich herum verteilt, die beiden Vogelhäuschen auf der Terrasse habe ich aber immer im Blick. Ist Blaumeischen da drinnen in Ohnmacht gekippt? Sind die Räumlichkeiten wirklich so überwältigend oder hat sie das frische Zweiglein der Spatzens entdeckt und besetzt das Haus vorsichtshalber persönlich? Die passen doch eh nicht rein, also!

Nach einer guten Viertelstunde taucht hinter dem Einflugloch ihr kleines Gesicht wieder auf. Es macht ganz und gar nicht den Eindruck, als wollte dieses kleine Wesen jemals wieder herauskommen. Aber dann erschrickt es und fliegt davon, weil ich kurz aufgestanden bin, um das Handy zu holen. Bitte komm wieder. Ich tu dir nichts.

Also erstmal weiterlesen. Jenny Colgans SOMMERKÜCHE im Moment. Ich mag es sehr, wie sie Hofhund Brambles Charakter mit liebevollen Worten zeichnet.

Und zwischendurch immer wieder der gespannte Blick zum Vogelhäuschen.

12. März 2025

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Der erste Bärlauch

Doch, Spatzens sind noch einmal zurückgekehrt, obwohl die Blaumeisen schon Pläne für die Inneneinrichtung schmieden. Da muss Herr Spatz wohl noch einmal deutlich werden. Flugs auf die Vogelstange gehockt, Präsenz gezeigt. Wie kann man nur sein Zweiglein ignorieren, auch wenn man, das muss er ja zugeben, nur VOR dem Häuschen sitzen kann?

Was machen Meisens damit? Fliegen Attacken aus der Luft, obwohl sie viel kleiner sind. Also dieses Vogelhaus....!

Nach zwei oder drei kurzen, aber heftigen Kämpfen entscheidet das mutige Blaumeisenpaar doch tatsächlich diese Angelegenheit für sich, verscheucht den frechen Spatz und seinen Spatzenschatz. Für wie lange wohl?

 

Ich lass die beiden mal alleine und widme mich dem ersten Bärlauch, den ich hinter dem Haus, dort, wo kein Hund vorbeiläuft, entdeckt habe. Sobald die Krokusse blühen, suche ich nach den zarten Blattspitzen, weil es solange nichts Wildes zu ernten gab. Aber es müssen schön wenigstens die Veilchen blühen, die die Krokusse vor dem Haus ablösen, bis sich endlich der Bärlauch zeigt.

 

Dann gibt es aber auch kein Halten mehr. Wieder mixe ich einfach zusammen, was ich gerade so dahabe, Bärlauchblättchen, 

SonnenblumenkerneZitronensaft, Knoblauchzehen, Rapsöl, etwas Salz und Pfeffer und passiere die aromatische Mischung. Hätte ich Käse da, am liebsten den vom Biobauern unten im Tal, hätte der auch mit reingedurft.

Aber dem ersten Bärlauchpesto verzeiht man ja eine solche Lappalie. Schließlich ist es das bis dahin allerbeste Pesto des Jahres.

Nach dem nächsten Wocheneinkauf ist die noch viel köstlichere Bärlauchcreme mit Feta und Frischkäse fällig. Vorfreude!

 

19. März 2025

Brot im Glas

Jetzt habe ich also ein leckeres Pesto, aber gerade kein Brot mehr. Weil das so teuer geworden ist, ich aber für ein kleines Singlebrot nicht den Backofen bemühen möchte, ist jetzt wohl der Zeitpunkt gekommen, auszuprobieren, was ich schon lange einmal backen wollte: Brot im Weckglas.

 

Dafür wähle ich u.a. mein Lieblingsrezept für Blitzbrot. Ein Päckchen Trockenhefe und 1 EL Salz löse ich in 450 ml lauwarmem Wasser auf. Je 1 EL von gemahlenem Anis, Koriander, Kreuzkümmel, Nelke und Zucker, 2 EL Weißweinessig, 500 g Dinkelvollkornmehl, einen Schuss Speiseöl und 150 g Saaten, zum Beispiel Sonnenblumenkerne, Kürbiskerne, Sesam und oder Leinsamen, gebe ich nach und nach dazu und knete alles zu einem Teig, mit dem ich fünf eingefettete STURZGLÄSER höchstens zu einem Drittel befülle. Schließlich geht der Teig noch auf und man weiß nie genau, bis wohin.

Und dass es STURZGLÄSER sind, ist wirklich wichtig, weil das fertige Brot sonst, wenn es erst einmal gebacken ist, niemals wieder heil dort herauskommt. Die Sturzgläser also stelle ich in den noch kalten Ofen, der mir netterweise bei 200 Grad Ober- und Unterhitze über 50 Minuten meine duftenden Brote erst ordentlich in die Höhe treibt und schließlich backt.

 

Pause für mich!

Nach einer halben Stunde drehe ich die Temperatur auf 150 Grad runter, weil die Kruste schon braun ist, der Teig tiefer unten hinter dem dicken Glas aber noch roh. Kann an meinem alten Backofen liegen. Nach weiteren dreißig Minuten nehme ich das duftende Backwerk aus den Gläsern, war ja total easy ist, weil es Sturzgläser sind und auch weil ich vor dem Befüllen ein paar Kürbiskerne auf den Boden der Gläser gestreut habe, und lasse sie  abkühlen. 

Zurück in die Gläser, verschließen und eine halbe Stunde lang einkochen. Das macht mittlerweile ein Einkochautomat für mich, den ich bei einer Klosterauflösung erstanden habe. Und bin schon wieder so zufrieden, weil ich jetzt einen Vorrat habe, auf den ich zurückgreifen kann, wenn ich das Kochen für etwas anderes streichen muss, zum Beispiel für das Säubern meiner Sommerhütte im Eselgarten.

20. März 2025

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Vorbereitungen

Den ganzen Morgen lang tackert Spatz schon um das Einflugloch herum. Diese zerstörerische Penetranz nervt langsam, trotzdem 

imponiert es mir, dass er an seinem Traum festhält, nicht locker lässt.

Später, als ich selbst die Terrasse bevölkere, traut sich Familie Blaumeise nicht zum Häuschen, wegen mir. Eins, zwei, drei. Tüdelüt. - Drei sehr hohe leise Töne und ein kräftiger Triller. Es klingt in meinen Ohren wunderschön. Endlich ist da draußen wieder etwas los. Ich könnte ewig hier sitzen, um den Meisen-Rap zu hören. Aber weil ich ja möchte, dass sie endlich IHR Vogelhäuschen beziehen und dort zu brüten beginnen, verschwinde ich mit Lotta und Josh ins Eselhirtenhäuschen.

Da unten unter den Bäumen ist alles noch so karg, März eben. Trotzdem ist die Welt in Sommerlaune, weil man ja weiß, dass er ganz sicher und verlässlich kommt und man dieses Frühlingskribbeln im ganzen Körper spürt.

Das Eselgelände ist sehr gut abgetrocknet, weil es schon seit Wochen nicht mehr geregnet hat. Die Möhren und der Spinat, die in den Hochbeeten noch in ihren winzigen Samenkörnchen schlafen, versuche ich, mit einer sanften Dusche aus der Gießkanne zu wecken. Sie zieren sich noch. Die Rote Melde hat dagegen schon die ersten Blattpaare, die Keimblätter, getrieben, rübenrot und hauchzart. 

Das kleine Hüttchen ist, bis auf den Krimskramsschrank, blitzblank geputzt und gesaugt.

Und endlich gibt es auch einen robusten Witterungsschutz über der Terrasse, ein Wohnwagen-Vordach mit Keder. Nur die Stangen fehlen, deshalb war es auch recht günstig. Die ersetzen jetzt drei Haselstämmchen, durch der Esel Zähne im Winterstall über Nacht entrindet und von mir im Eselgarten auf die richtige Länge gesäbelt. Schraubhaken reingedreht, durch die Löcher im Vordachstoff gesteckt und abgespannt.  Es sieht genau so aus, wie ich es mir vorgestellt habe: rustikal und irgendwie... glampisch.

Davor blüht ein kleiner Tuff Veilchen in der staubigen Erde, seitlich sogar Ehrenpreis. Die vielen Traubenhyazinthen mit den langen schlappen Blättern warten aber noch auf den Startschuss zur Blüte, - die nur für sie berechnete Mischung aus Wärme und Tageslicht.

Und jetzt! Könnten eigentlich die Esel kommen, jahaaa! Ob das Wetter hält? Ich habe schon in manchem März, der so tat, als sei er ein Sommer, vor lauter Ungeduld die Langohren in den Garten geholt und musste sie dann doch im April noch einmal zurückbringen, damit sie nicht davonfliegen und das Weidezelt im Sturm nicht herumwandert, wenn doch die Esel darin gerade Schutz suchen. Ich werde noch ein, zwei Wochen warten....

21. März 2025

Ein Strand für Esel

Wollte ich nicht die Ankunft der Esel vorbereiten? Also gut. Die sogenannte Sandfläche muss in diesem Jahr unbedingt erneuert werden. Die letzte Sandlieferung ist schließlich schon so lange her, dass ich mich gar nicht mehr an sie erinnern kann. Die Esel haben sie in den feuchten Sommern in den Matsch darunter getreten.

Jetzt hat der Baustoffhändler Nachschub gebracht, preislich maßgeschneidert für mein Budget: 3 Tonnen Sandkastensand für den Eselstrand.

Der ist zwar gar nicht so optimal für die Tiere aus der Steinwüste, weil er mit dem Futter in den Verdauungstrakt gelangt, sind dort ablagert und irgendwann zu einer tödlichen Kolik führen kann. Aber er hält die Lauffläche viel trockener und verhindert, dass die Hufstrahle wieder faulen. Pest oder Cholera?

Deshalb darf auf keinen Fall auf Sand gefüttert werden. Oder umgekehrt: deshalb werden jetzt die Futterstellen im Weidezelt und unter der Fichte weiträumig ausgespart, als die Freundin aus dem Nachbardorf direkt nach der Arbeit zum Schippen anrückt. Schnell futtert sie unter dem tollen neuen Hüttenvordach noch ihr mitgebrachtes Butterbrot, bevor sie in die Gummistiefel springt. Echte Hingucker sind das in Honiggelb mit ganz vielen kleinen Bienen darauf. Und schon legt sie los. Schubkarre um Schubkarre bugsiert sie auf die Lauffläche, von der schnell ein hübsches Stück bedeckt ist.

Als eine Bigbag leer ist, bin ich fix und fertig von ihrer Schufterei. Seit ich krank bin, fühle ich mich von den Tagesprogrammen gesunder Menschen gestresst und entkräftet. Die Erinnerung daran, dass ich auch mal den ganzen Tag auf den Beinen sein konnte, macht mich traurig. Es ist wie es ist, schüttle ich den Gedanken ab. Er hilft mir ja nicht.

Aber die Kraft der Freundin motiviert mich, am nächsten Tag selbst zur Schaufel zu greifen. Geht doch! Es ist leichter als gedacht. Dass die Atmung nach einer halben Stunde beschleunigt, blende ich einfach aus. Es macht solchen Spaß, zu sehen, wie schnell die Fläche wächst. Der Schwindel und die Sehunschärfe lassen sich etwas später allerdings nicht mehr beiseite schieben. Aufhören. Auf den nächsten Crash warten, wenn auch dieses Mal sehr zufrieden.

Die dritte Tonne übernimmt zwei Tage später wieder die Freundin und wird gerade so fertig, bis ein Unwetter uns mit Donnergrollen wieder unter das Hüttenvordach scheucht. Starkregen trommelt lustig darauf herum, während wir quatschend den Apfelkuchen vertilgen, den sie gebacken hat, aus anderthalb Kilo Äpfeln, die von ganz wenig Teig und noch weniger Zucker zusammengehalten werden, sagt sie. Versprochen? 

Eine von uns hat Josh auf dem Schoß, die andere das Schlotterlottchen eng neben sich, alle zusammen in Decken eingemummelt, bis das Gewitter abgezogen ist.

Gut, dass ich rechtzeitig mit dem Gießen der Hochbeete fertig geworden bin. Sonst wäre ich dabei ganz schön nass worden.

23. März 2025

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